In guter Gesellschaft
Diese Seite braucht keine Belege – sie ist ein Geschenk, kein Beweis. Und wenn Dein Kopf erst Ruhe gibt, wenn er sieht, dass kluge Menschen lange hier gestanden haben: bitte sehr. Sie kommen aus sehr verschiedenen Welten und sind sich in vielem uneins. An einem Punkt treffen sie sich – dass ein fester Stand die Augen nicht verschließt, sondern sie erst zu öffnen wagt.
- Bindungsforschung
- Ein Kind, das sich sicher gehalten weiß, erkundet die Welt weiter – nicht ängstlicher. Sicherheit macht mutig, nicht träge. (John Bowlby / Mary Ainsworth, „A Secure Base“, 1988)
- Stoa
- Scheide, was in Deiner Macht steht, von dem, was nicht – ruhe auf dem Ersten, lass das Zweite los; daraus kommt Handlungskraft, nicht Gleichgültigkeit. (Epiktet, „Encheiridion“, 1)
- Logotherapie
- Wenn einem alles genommen ist, bleibt „die letzte der menschlichen Freiheiten“: die eigene Haltung zu wählen. Frankl fand diesen Grund im Lager – und sah von ihm aus weiter. (Viktor Frankl, „… trotzdem Ja zum Leben sagen“, 1946)
- Christliche Mystik
- „Alles wird gut“ schrieb Juliana während der Pest, im Angesicht des Sterbens – nicht, um es zu leugnen, sondern weil sie hindurchsah.
(Juliana von Norwich, „Revelations of Divine Love“, um 1373)
Warum ihr „shall be“ kein Später meint
In Julianas mittelenglischem Original – „All shall be well“ – ist das „shall“ kein nüchternes Futur, kein Datum, das noch aussteht, sondern eine zeitlose Gewissheit. Sie sah nicht ein gutes Ende voraus, sondern durch die Zeit hindurch auf das, was im Grunde schon heil ist. Dorthin zeigt auch dieser Ort – nur sagt er es in der Gegenwart: „Es ist alles gut“ ist die heutige Antwort auf ihre Hoffnung.
- Engagierter Buddhismus
- Ruhe ist kein Rückzug aus der Welt, sondern die Wurzel des Handelns für sie: „Sei Frieden“, um Frieden zu wirken. (Thich Nhat Hanh, „Being Peace“, 1987)
- Philosophie des Absurden
- Der „unbesiegbare Sommer“ ist kein Trostpflaster, sondern hellsichtiger Aufstand – die Welt klar sehen und sie dennoch bejahen. (Albert Camus, „Retour à Tipasa“, 1952)
- Ein Zeugnis
- Etty Hillesum schrieb aus dem Lager Westerbork, das Leben sei trotz allem „gut“ – und gerade dieser innere Stand verschloss ihr nicht die Augen, sondern hielt sie offen für die Menschen neben ihr. (Etty Hillesum, Tagebücher und Briefe, 1941–1943)
- Vier Sätze
- Die vier Sätze auf „Warum das trägt“ folgen einer Gliederung, die Michael Bernard Beckwith in den 1980er Jahren als vier Stufen geistigen Wachstums beschrieb – „to me, by me, through me, as me“ – und die inzwischen auch außerhalb der Spiritualität als vier Weisen gelesen wird, in der Welt zu sein. Dass man täglich zwischen ihnen wandert, gehört zur Beschreibung dazu. (Michael Bernard Beckwith, Agape International Spiritual Center, seit den 1980er Jahren; Conscious Leadership Group, „Four Ways of Being“)
- Die Schwelle
- Die Zahlen zur Schwelle auf „Was offen ist“ stammen aus zwei prospektiven Studien an Menschen nach Herzstillstand: der niederländischen mit 344 Patienten, von denen 18 Prozent eine Nahtoderfahrung berichteten und nach acht Jahren weniger Todesangst hatten, und AWARE II mit 567 Herzstillständen, Hirnstrommessung eingeschlossen. Die Widerstandskraft der Trauernden als häufigster Verlauf geht auf George Bonannos Arbeiten zurück. (van Lommel u. a., The Lancet 2001; Parnia u. a., Resuscitation 2023; Bonanno, American Psychologist 2004)
Mehr ist es nicht – kein Beweis, nur Gesellschaft. Zwei dieser Stimmen stehen vorne längst unter „Worte“, ohne ein Wort der Erklärung. Wer den schlichten Satz dort schon in sich trägt, hat hier nichts versäumt. Wer ihn hier erst zu glauben wagt, ist genauso willkommen.
Für alle, die ein Wort nachschlagen wollen – ein kleines Glossar